Wenn der Wald wieder atmet: Pilze am morschen Holz im Frühling

Wenn der Wald wieder atmet: Pilze am morschen Holz im Frühling Pilze

Im zeitigen Frühjahr verändert sich der Wald auf eine Art, die man sieht, wenn man genau hinschaut: winzige Hüte schieben sich aus Rindenspalten, perlenartig glänzende Gallertkörper kleben an abgestorbenen Ästen, und kleine Porlinge färben altes Holz neu.

Dieser Artikel erzählt, wie und warum solche Pilze erscheinen, welche Formen sie annehmen, wie man sie sicher beobachten und dokumentieren kann und warum Totholz im Frühling ein Schatz für Biodiversität ist.

Contents
  1. Wozu totem Holz im Wald Leben erwächst
  2. Warum einige Arten schon früh erscheinen
  3. Formen und Lebensweisen der holzbewohnenden Pilze
  4. Wichtige ökologische Rollen: mehr als nur Zersetzer
  5. Typische Lebensstadien eines liegenden Baums
  6. Welche Arten man im Frühjahr finden kann
  7. Austernseitlinge und nahe Verwandte
  8. Samtfußrüblinge und winterharte Arten
  9. Gelatineszierende und gallertartige Pilze
  10. Wie man Pilze auf totem Holz sicher beobachtet
  11. Praktische Ausrüstung für Exkursionen im Frühjahr
  12. Fotografieren: praktische Tipps
  13. Bestimmungsstrategien ohne Mikroskop
  14. Wie das Substrat die Pilzgemeinschaft formt
  15. Einfluss von Mikroklima und Standort
  16. Unterschiede zwischen Weißfäule und Brauchfäule
  17. Gefährdung durch Entfernen von Totholz
  18. Tipps für verantwortungsvolles Sammeln und Genießen
  19. Sichere Kennzeichen beim Erkennen von Holzbewohnern
  20. Dokumentation und Citizen Science
  21. Beispiele für Fundorte in der Stadt und auf dem Land
  22. Langzeitbeobachtung: was ändert sich über Jahre
  23. Meine eigene Begegnung mit Frühlingstieren am Holz
  24. Wie man Sporenabdrucke anfertigt
  25. Gesundheit und Hygienetipps beim Sammeln
  26. Die Rolle von Pilzen in der Holzstabilität von Wäldern
  27. Beispiele für Artenlisten: Hinweise und Vorsicht
  28. Fälle, in denen man Vorsicht walten lassen sollte
  29. Wie Forstpraxis und Naturschutz zusammenfinden
  30. Praktische Aktivitäten für Schulgruppen und Einsteiger
  31. Die saisonale Dynamik: vom Frühling zum Sommer
  32. Wissenschaftliche Fragestellungen am Objekt Totholz
  33. Meine Empfehlungen für die erste Frühlingsexkursion
  34. Weiterführende Literatur und Anlaufstellen
  35. Wie Klimawandel und Wetterextreme das Bild verändern
  36. Beispiele regionaler Unterschiede
  37. Die Freude am Entdecken bewahren
  38. Hinweise zur weiteren Teilnahme an Citizen-Science-Projekten
  39. Abschließende Gedanken und Einladung zum Beobachten

Wozu totem Holz im Wald Leben erwächst

Frühlingspilze an Totholz. Wozu totem Holz im Wald Leben erwächst

Totholz ist keineswegs toter Raum; im Gegenteil, es ist ein Nährboden für Leben und ein dynamischer Bestandteil des Waldbodens, der Nährstoffe speichert und langsam wieder freigibt.

Pilze sind dabei die entscheidenden Motoren der Zersetzung: Sie greifen Holzstrukturen an, bauen komplexe Moleküle ab und machen Kohlenstoff, Stickstoff und andere Elemente für Pflanzen und Tiere wieder verfügbar.

Im Frühling, wenn Temperaturen steigen und Feuchtigkeit durch Schneeschmelze oder Regen zunimmt, setzen viele Holzbewohner Fruchtkörper an, weil die Bedingungen für Sporenverbreitung günstig sind.

Warum einige Arten schon früh erscheinen

Manche Pilzarten sind auf kühle, feuchte Verhältnisse spezialisiert und reagieren empfindlich auf Trockenheit; bei stabiler Feuchte können sie daher schon im Frühjahr fruchten.

Andere nutzen Winterreserven: Myzel, das unbemerkt im Holz lebt und Nährstoffe gespeichert hat, kann bei den ersten milden Tagen schnell Energie in Fruchtkörper umsetzen.

Auch die Struktur des Holzes beeinflusst den Zeitpunkt der Fruchtung – feuchteres, weiches Kernholz wird schneller von Pionierarten besiedelt als dichtes, trockenes Holz.

Formen und Lebensweisen der holzbewohnenden Pilze

Holzpilze zeigen eine erstaunliche Vielfalt: Von flachen, filzartigen Belägen über röhrenförmige Porlinge bis zu auffälligen Lamellenkeulen reicht die Palette.

Man unterscheidet grob nach Fruchtkörperform und nach der Art der Zersetzung: Porlinge und Lamellenpilze sind weithin sichtbar, während Resupinat- oder Pfannkuchenpilze oft wie Farbschichten am Holz hängen.

Die Funktion folgt oft der Form: Porlinge eignen sich für langanhaltende Sporenproduktion, dünnere Beläge für rasche, saisonale Fruchtung.

Wichtige ökologische Rollen: mehr als nur Zersetzer

Neben der Zersetzung schaffen Pilze Strukturen, in denen Insekten, Spinnen und andere Kleintiere leben oder ihre Larven entwickeln können.

Viele Vögel nutzen abgenagte, durch Pilzbefall erweichte Stellen zum Nisten; manche Säugetiere finden in morschem Stammholz Verstecke oder Nahrung.

Auch Pflanzen profitieren indirekt: Die Mineralisierung durch Pilze setzt Nährstoffe frei, die später von jungen Trieben aufgenommen werden können.

Typische Lebensstadien eines liegenden Baums

Frühlingspilze an Totholz. Typische Lebensstadien eines liegenden Baums

Ein frischer Stamm durchläuft auf dem Boden eine Abfolge von Besiedlern: Anfangs dominieren feuchteliebende Pioniere, später treten spezialisierte Zersetzer mit anderem enzymatischem Repertoire an.

Anfangsstadien zeigen oft perlende, weiche Pilze, während ältere Stämme von hartbrechigen Porlingen bevölkert werden, die Holz über Jahre hinweg abbauen.

Die Abfolge ist nicht linear, sondern mosaikartig: Mikrostandorte am selben Stamm können verschiedene Entwicklungsphasen gleichzeitig aufweisen.

Welche Arten man im Frühjahr finden kann

Es gibt keine vollständige Liste, die überall gilt; Klima, Baumarten und lokale Bedingungen entscheiden, welche Pilze wann auftauchen.

Dennoch lassen sich einige Gruppen nennen, die in vielen Regionen bereits im Frühjahr aktiv sind: Austernseitlinge, Samtfußrüblinge, Judasohr- und verschiedene Resupinatarten.

Die Beobachtung lohnt sich, weil manche Arten schon früh im Jahr farbenfrohe oder ungewöhnliche Formen zeigen, die im Sommer übersehen werden.

Austernseitlinge und nahe Verwandte

Austernseitlinge wachsen häufig in Büscheln an Laubholzstämmen und können in milden Regionen bereits im Frühling auftreten.

Ihr Fleisch ist oft weißlich, die Lamellen laufen kurz am Stiel herab und der Geruch ist meist mild bis fruchtig.

Als Speisepilze sind einige Arten beliebt, doch Vorsicht bei Verwechslungen: Nur sichere Bestimmung erlaubt Sammeln zum Verzehr.

Samtfußrüblinge und winterharte Arten

Samtfußrüblinge zeigen oft dunkle, samtige Stiele und erscheinen bereits bei niedrigen Temperaturen an totem Holz.

Sie sind ein Beispiel für Arten, die den Wechsel von Winter zu Frühling nutzen, weil ihre Fruchtkörper kälteresistent sind und lange halten können.

Wer sie fotografiert, sollte auf die Stielstruktur und den Standort achten, denn diese Merkmalskombination hilft bei der Bestimmung.

Gelatineszierende und gallertartige Pilze

Jelly-Fungi, zu denen etwa Ohrförmige Pilze gehören, sind leicht zu übersehen, weil sie flach am Holz sitzen oder in Rindenspalten hängen.

Sie wirken oft glasig oder ledrig und können nach Regenfällen schnell anwachsen; trocken können sie schrumpfen und längere Zeit überdauern.

Ihre ökologische Rolle ist vielseitig: Einige besiedeln stark geschädigtes Holz, andere tragen zu Schmorprozessen bei.

Wie man Pilze auf totem Holz sicher beobachtet

Der wichtigste Grundsatz beim Naturstudium lautet: nicht mehr stören als nötig.

Beim Beobachten genügt es in der Regel, Fotos zu machen, Standort zu notieren und eventuell kleine Proben für Bestimmungszwecke zu entnehmen, sofern das erlaubt ist.

Verletze keinen Lebensraum durch hektisches Ausreißen von Pilzen und halte dich an lokale Regelungen zum Sammeln und Betreten von Schutzgebieten.

Praktische Ausrüstung für Exkursionen im Frühjahr

Ein kleiner Faltmesser, eine weiche Bürste, Notizbuch und eine gute Kamera sind die Grundausstattung für Pilzbeobachter.

Ein Smartphone mit GPS-Funktion erleichtert das Dokumentieren von Fundorten, und eine Taschenlampe hilft bei der Untersuchung dunkler Höhlen oder Rindenspalten.

Auch wetterfeste Kleidung und gute Schuhe sollten nicht fehlen, weil der Untergrund oft matschig ist.

AusrüstungZweck
MesserSaubere Probenentnahme, Schnittflächen zeigen Fruchtkörperinneres
Kamera/SmartphoneDokumentation in situ und für Bestimmungsfragen
NotizbuchOrt, Datum, Wuchsform, Substrat festhalten
Pinzette/BürsteSchonende Reinigung der Oberfläche

Fotografieren: praktische Tipps

Gute Bilder sind später oft die beste Grundlage für eine sichere Bestimmung oder eine Meldung an eine Datenbank.

Fotografiere Fruchtkörper aus mehreren Blickwinkeln: Vorderansicht, Unterseite, Schnittfläche und der Standort mit Umgebung.

Eine Skala im Bild, etwa ein Lineal oder eine Münze, hilft, Größe einzuschätzen, und diffuse Beleuchtung reduziert harte Schatten.

Bestimmungsstrategien ohne Mikroskop

Viele Arten lassen sich mit etwas Übung allein anhand von Makromerkmalen, Substrat und Geruch näher eingrenzen.

Beachte: Lamellen- oder porentragende Unterseiten, Farbe der Sporenpulver, Konsistenz des Fleisches und Reaktion auf Verletzung geben wichtige Hinweise.

Bei Unsicherheit ist es klug, mehrere Bestimmungsquellen zu nutzen: Feldbuch, Expertenforum oder lokale Pilzvereine.

Wie das Substrat die Pilzgemeinschaft formt

Die Baumart ist ein zentraler Faktor: Eichen- und Buchenholz beherbergt andere Pilzarten als Kiefer oder Weide.

Hartholz bietet oft langsamere Zersetzung und dadurch langlebigere Porlinge, während Nadelholz zu anderer Besiedlung neigt.

Auch der Zerfallsgrad entscheidet: frisch gefallenes Holz wird anders besiedelt als stark vermorschtes Material.

Einfluss von Mikroklima und Standort

Sonnige, trockene Standorte begünstigen Arten, die Trockenphasen tolerieren, während schattige, feuchte Täler eine andere Gemeinschaft tragen.

Rindenreste, Mulchschicht und angrenzende Vegetation schaffen Mikrohabitate, in denen Pilze unterschiedliche Strategien verfolgen.

Bei Warmperioden im Frühling kann ein plötzlicher Anstieg der Fruchtkörper erscheinen, weil Temperatur und Feuchte optimal zusammenspielen.

Unterschiede zwischen Weißfäule und Brauchfäule

White-rot-Organismen bauen Lignin und Zellulose ab, sodass das Holz oft daraufhin blass und faserig wirkt.

Brown-rot-Pilze attackieren vornehmlich Zellulose, so dass Holz brüchig und braun in kubischer Struktur zerfällt.

Die Art der Fäule hat Folgen für die Struktur des Waldbodens und dafür, welche anderen Organismen den abgebauten Stoff weiter nutzen können.

Gefährdung durch Entfernen von Totholz

Das konsequente Entfernen von totem Holz aus Wäldern und Parks reduziert Lebensraum für spezialisierte Arten drastisch.

Viele seltene Holzzersetzer sind auf bestimmte Baumarten, Stammgrößen oder Zerfallsstadien angewiesen; ohne Totholz fallen diese Nischen weg.

Eine naturnahe Waldbewirtschaftung lässt daher bewusst Totholz liegen oder schafft gezielt Habitatstämme.

Tipps für verantwortungsvolles Sammeln und Genießen

Wer Pilze sammeln möchte, sollte zuerst die rechtlichen Vorgaben prüfen und nur in erlaubten Gebieten und Mengen sammeln.

Vor dem Verzehr ist eine eindeutige Bestimmung nötig; bei Unsicherheit die Fruchtkörper nicht essen und im Zweifel Experten fragen.

Kochen verändert die Verträglichkeit vieler Arten; manche Speisepilze sind roh giftig, aber nach Erhitzen genießbar.

Sichere Kennzeichen beim Erkennen von Holzbewohnern

Das Substrat ist eines der wichtigsten Merkmale: Holzbewohner wachsen typischerweise direkt auf Rinde, Splintholz oder freiliegenden Flächen.

Weitere Merkmale sind die Struktur des Fruchtkörpers, Reaktion auf Druck, Farbveränderungen bei Schnitt sowie Geruch und Geschmackstest nur durch Experten.

Notiere immer mehrere Merkmale und vergleiche mit regionalen Bestimmungsbüchern, anstatt dich auf ein einzelnes Zeichen zu verlassen.

Dokumentation und Citizen Science

Daten aus Bürgerbeobachtungen helfen, Verbreitungsmuster saisonal und räumlich zu verstehen.

Plattformen wie iNaturalist oder lokale Pilzdatenbanken nehmen Beobachtungen entgegen und verknüpfen Fotos mit Expertenbestätigungen.

Beim Hochladen solltest du Fundort, Substratart, Datum und möglichst mehrere Fotos anfügen, damit eine verlässliche Einschätzung möglich wird.

Beispiele für Fundorte in der Stadt und auf dem Land

Urbanes Totholz findet sich an Straßenbäumen, in Parkanlagen und in Gärten; oft sind dort überraschend vielfältige Pilzgemeinschaften zu beobachten.

Auf dem Land spielt liegendes Stammholz in naturnahen Wäldern eine noch größere Rolle als in Stadtgrünflächen, weil größere Strukturen vorhanden sind.

Schon kleine Maßnahmen wie das Belassen von Baumstümpfen und Totholzstreifen fördern die Artenvielfalt deutlich.

Langzeitbeobachtung: was ändert sich über Jahre

Ein einzelner Stamm kann Jahrzehnte lang von wechselnden Pilzgemeinschaften genutzt werden, sofern er nicht von Menschen entfernt wird.

Langzeitbeobachtungen zeigen, dass manche Arten nur in bestimmten Phasen dominieren, während andere dauerhaft als Myzel präsent bleiben.

Solche Daten helfen, Rotationszeiten in der Forstwirtschaft und Schutzkonzepte für seltene Arten besser zu planen.

Meine eigene Begegnung mit Frühlingstieren am Holz

Bei einer Exkursion an einem regnerischen Aprilmorgen fand ich an einem umgestürzten Buchenstamm eine dichte Polsterung weißlicher Lamellenpilze, die wie kleine Segel wirkten.

Ich erinnere mich an den erdigen Geruch des feuchten Holzes und an die stille Betriebsamkeit: Käfer krabbelten zwischen Lamellen, Spinnen hatten feine Netze gespannt.

Das Erlebnis hat mich gelehrt, wie viele Lebensgeschichten an einem einzigen Stamm nebeneinander existieren und wie lohnend geduldiges Beobachten ist.

Wie man Sporenabdrucke anfertigt

Sporenabdrucke geben Auskunft über die Sporenfarbe und helfen bei der Unterscheidung mancher Arten mit ähnlichem Aussehen.

Lege den Hut mit der Lamellenseite auf ein Blatt Papier oder Glas, bedecke ihn leicht mit einer Schale und warte mehrere Stunden ab.

Die resultierende Farbe des Abdrucks ist ein wichtiges Bestimmungsmerkmal und sollte dokumentiert werden.

Gesundheit und Hygienetipps beim Sammeln

Einige Holzbewohner können allergene Sporen freisetzen; bei empfindlichen Personen sind Atemschutz oder Handschuhe ratsam.

Wasche Hände nach dem Sammeln und lagere frische Proben kühl und trocken bis zur Bestimmung oder Verarbeitung.

Im Zweifel besser auf den Verzehr verzichten, besonders bei Pilzen aus belasteten Stadtgebieten mit möglicher Schadstoffbelastung.

Die Rolle von Pilzen in der Holzstabilität von Wäldern

Pilzbefall verändert die mechanischen Eigenschaften von Bäumen: beschädigte Kronäste brechen leichter, und Windwurf wird durch vorgeschädigte Wurzeln wahrscheinlicher.

Gleichzeitig erhöhen morsche Stämme das Habitatangebot und fördern so Biodiversität, was in naturnahen Wäldern bewusst toleriert wird.

Forstliche Entscheidungen balancieren oft zwischen Verkehrssicherheit und dem Wunsch, Habitatstrukturen zu erhalten.

Beispiele für Artenlisten: Hinweise und Vorsicht

Die folgende Aufzählung nennt einige häufig beobachtete Holzbewohner als Beispiele; die zeitliche Erscheinung kann regional stark variieren.

Nutze diese Liste als Anfangspunkt, aber prüfe alle Angaben mit lokalen Quellen, bevor du Sammelentscheidungen triffst.

Art (Beispiel)TypHinweis
Pleurotus ostreatusLamellenpilzhäufig an Laubholz, essbar, regional auch im Frühling anzutreffen
Flammulina velutipesLamellenpilzwinterhart, an totem Holz, bei milder Witterung lange sichtbar
Auricularia auricula-judaeGallertpilzoft an älteren Weiden und anderen Laubhölzern, trocknet ein- und quillt wieder auf
Schizophyllum communeResupinat/Spaltblättlingweitverbreitet, an verschiedensten Hölzern, charakteristisch gefurcht
Trametes versicolorTürkentrametehäufiger Porling, mehrjährig, an Laubholz

Fälle, in denen man Vorsicht walten lassen sollte

Wenn Fruchtkörper in großer Zahl an einem öffentlichen Weg wachsen, kann das eine Belastung darstellen und Sammeln sollte unterbleiben.

In Schutzgebieten ist das Entfernen von Pilzen oft verboten oder nur in engen Grenzen erlaubt; daher immer lokale Regeln prüfen.

Auch Gesundheitsaspekte spielen eine Rolle: Pilze aus Industriegebieten können Schadstoffe anreichern und sind dann nicht zum Essen geeignet.

Wie Forstpraxis und Naturschutz zusammenfinden

Viele moderne Bewirtschaftungsansätze integrieren den Erhalt von Totholz in bestimmten Anteilen, um Lebensräume zu sichern.

Ziele sind etwa, alte Baumstümpfe stehen zu lassen, Habitatbäume gezielt zu markieren und Totholz in geschützten Bereichen zu belassen.

Solche Maßnahmen erhöhen nicht nur Pilzvielfalt, sondern profitieren auch Insekten, Vögeln und kleineren Säugetieren.

Praktische Aktivitäten für Schulgruppen und Einsteiger

Frühlingspilze an Totholz. Praktische Aktivitäten für Schulgruppen und Einsteiger

Geführte Exkursionen mit klaren Regeln sind eine gute Möglichkeit, Kinder und Neulinge an das Thema heranzuführen.

Ein einfacher Bestimmungsbingo mit Bildern, ein Sporenabdruck-Experiment und das Beobachten von Insekten am Holz liefern spannende Einblicke.

Wichtig ist, Neugier zu wecken und zugleich Respekt vor dem Lebensraum zu vermitteln.

Die saisonale Dynamik: vom Frühling zum Sommer

Der Frühling markiert oft den Beginn einer intensiveren Aktivitätsphase; manche Arten setzen nun Fruchtkörper an, die im Sommer wieder verschwinden.

Andere Pilze erscheinen später und schließen die Zersetzungskaskade ab; dadurch bleibt der Abbauprozess über das ganze Jahr verteilt.

Die saisonale Staffelung sorgt für eine gleichmäßige Freisetzung von Nährstoffen und einen konstanten Lebensraum für abhängige Arten.

Wissenschaftliche Fragestellungen am Objekt Totholz

Forscher interessieren sich für Fragen wie: Welche Artenfolge tritt auf? Wie beeinflusst Holzart die Diversität? Welche Rolle spielen Klimaänderungen?

Längsschnittstudien und genetische Analysen des Myzels liefern neue Einsichten in Vernetzungen unterirdischer Systeme und Pfadogenese.

Auch praxisnahe Fragen aus Forstwirtschaft und Naturschutz werden zunehmend datenbasiert beantwortet.

Meine Empfehlungen für die erste Frühlingsexkursion

Wähle einen feuchten Tag nach einer Periode kühler Nächte, dann sind viele Fruchtkörper frisch und gut sichtbar.

Geh langsam, schaue in unterschiedliche Höhen und nimm dir Zeit für Fotos und Notizen; oft entdeckt man erst beim zweiten Blick Besonderes.

Und nimm jemanden mit, der Erfahrung hat, denn gemeinsames Bestimmen macht Freude und erhöht die Sicherheit.

Weiterführende Literatur und Anlaufstellen

Ein gutes regionales Pilzbuch und lokale Pilzvereine sind die besten Einsteigerhilfen, weil sie auf die heimische Flora abgestimmt sind.

Online-Foren und Bestimmungsgruppen liefern schnelle Rückmeldungen, sollten aber kritisch genutzt und durch Fachliteratur ergänzt werden.

Für vertiefte Studien sind Lehrbücher zur Mykologie und Arbeiten zu Holzzersetzungsprozessen empfehlenswert.

Wie Klimawandel und Wetterextreme das Bild verändern

Erwärmung und veränderte Niederschlagsmuster verschieben Fruchtzeiten vieler Arten, manche erscheinen früher, andere seltener.

Trockenere Frühjahre können die Fruchtbildung hemmen, während milde, feuchte Perioden zu Massenfruchtungen führen können.

Langfristig können manche Spezialisten durch veränderte Baumartenverteilung oder Habitatverlust gefährdet werden.

Beispiele regionaler Unterschiede

Was in einem mitteleuropäischen Laubwald typisch ist, kann in südlicheren oder nördlichen Regionen ganz anders aussehen.

In mediterranen Gebieten sind Frühjahrsfruchtungen oft kürzer und stärker an Niederschlagsereignisse gebunden, während in kühleren Zonen längere Perioden möglich sind.

Deshalb lohnt es sich, lokale Beobachtungsdaten zu sammeln und mit Nachbarn oder Vereinen zu teilen.

Die Freude am Entdecken bewahren

Pilzbeobachtung am toten Holz bietet kleine, häufig überraschende Entdeckungen, die das Verständnis für Ökologie vertiefen.

Der Reiz liegt oft weniger im Sammeln als im genauen Hinschauen, Fotografieren und im Teilen der Funde mit anderen Naturbegeisterten.

Mit jedem Frühling eröffnet sich die Gelegenheit, wieder Neues zu lernen und alte Pfade aus frischem Blick zu sehen.

Hinweise zur weiteren Teilnahme an Citizen-Science-Projekten

Frühlingspilze an Totholz. Hinweise zur weiteren Teilnahme an Citizen-Science-Projekten

Viele Projekte wünschen detaillierte Angaben: genaues Datum, Fotos, Substratbeschreibung und Standortkoordinaten.

Wenn du regelmäßig dokumentierst, kannst du mithelfen, Phänomene wie Verschiebungen in der Fruchtzeit oder das Auftreten neuer Arten nachzuvollziehen.

Deine Daten sind nützlich, auch wenn du nur gelegentlich sammelst; Qualität der Beobachtung zählt mehr als Quantität.

Abschließende Gedanken und Einladung zum Beobachten

Der Frühling bringt nicht nur Blätter und Blüten, sondern auch eine stille Explosion an Leben auf altem Holz; wer genau schaut, wird reich belohnt.

Bewahre Respekt vor dem Lebensraum, dokumentiere sorgfältig und teile Beobachtungen, damit Wissen wächst und Schutzmaßnahmen besser werden können.

Geh hinaus, nimm dir Zeit für einen Buchenstamm oder einen alten Obstbaum und entdecke die Geschichten, die im Holz verborgen liegen.

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